Erfolg und Entwicklung

Ana Aslan

Die Lebensgeschichte
Teil 18

 

 

Mit 105 Jahren durch Procain revitalisiert: Parasek Margosian
Parasek Margosian
Ana Aslan bei der Uno
Ana Aslan bei der Uno

Allen Unkenrufen zum Trotz wurde sie im Jahre 1959 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vorsitzenden für prophylaktische Medizin und Hygiene ernannt. Immer mehr Aufgaben kamen auf sie zu, während ihr Institut für Gerontologie und Geriatrie in Bukarest stetig wuchs. Immer näher kam Ana Aslan der Erfüllung ihres Lebensziels: Den älteren Menschen zu helfen, die sie praktisch seit ihrer Kindheit so aufrichtig liebte und denen sie ihr eigenes Leben zur Gänze widmete. Noch immer waren die Missstände auf diesem Gebiet groß. Im Sommer 1960 beispielsweise wurde der total verwahrloste und abgemagerte Parsek Margosian in die Klinik aufgenommen. Man hatte ihn in der Strada Caldarusani, in der sich das Institut befand, einfach abgeladen. Er war 105 Jahre alt, wog 47 Kilo und war völlig abgestumpft. Selbst Ana Aslan hatte wenig Hoffnung, ihm in diesem Zustand noch helfen zu können und hielt eine Procain-Therapie nicht mehr für sinnvoll. Dennoch begann sie schließlich, da sie nichts unversucht lassen wollte, ihm den Wirkstoff regelmäßig zu injizieren. Und tatsächlich: der Patient erholte sich glänzend, nahm an Gewicht zu und starb 11 Jahre später im biblischen Alter von 116 Jahren! Ein Ausnahmefall, wie Ana Aslan selbst betonte: „In einem solchen Alter ist die Revitalisierung kaum noch möglich. Aber wenn man mit 45 oder 50 beginnt, dann sind die Kuren mit größter Wahrscheinlichkeit erfolgreich.“

 

Das Forschungsprogramm des Instituts umfasste inzwischen folgende Bereiche:

  • Studium des dritten Lebensalters anhand von pathologischen Untersuchungen,
  • Altersprophylaxe und Therapie, sowie
  • die Organisation und Ausrichtung der Betreuung von Menschen im dritten Lebensalter.

Es wurden nun immer aussagekräftigere empirische Studien durchgeführt. Die umfangreichste umfaßte die Beobachtung von insgesamt 15.000 Industriearbeitern über einen Zeitraum von zwei Jahren. Etwa die Hälfte der Probanden wurde sogar über einen Zeitraum von acht Jahren beobachtet. Dies sind Größenordnungen, die für heutige Verhältnisse unvorstellbar sind und die wahrscheinlich nur in einem kommunistischen Land möglich waren. Eine Studie dieses Ausmaßes wäre, angesichts der Tagessätze, die Versuchspersonen in medizinischen Studien heute in der Regel erhalten, kaum mehr finanzierbar. Allerdings sind die wissenschaftlichen Verfahren heute so ausgereift, dass mit deutlich kleineren Probandenzahlen gesicherte Erkenntnisse gewonnen werden können. Die Forschungsleistung, die Ana Aslans Institut damals erbrachte, bleibt allerdings ungeheuerlich.

 

Zur „klinischen Gerontologie“ und zur „Biologie des Alters“ kam zur Ergänzung des Forschungskomplexes nun noch die wichtige Abteilung für „Sozio-Gerontologie“ dazu, die sich den gesellschaftlichen Aspekten menschlichen Alterns widmete. Gerontologie und Geriatrie entwickelten sich langsam, aber sicher von einer Randwissenschaft zu einer alle Bereiche umfassenden Gesellschaftswissenschaft. Interdisziplinäres Arbeiten wurde fortan für Ana Aslan zur Devise. Ihre Untersuchungen bezogen nicht nur Ärzte und Biologen mit ein, sondern auch Soziologen, Psychologen, Demographen, Biophysiker, Pharmakologen und sogar Mathematiker und Ökonomen.

 

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