„Kaputte Spielzeuge“

Ana Aslan

Die Lebensgeschichte
Teil 11

 

 

Ana Aslan im Hörsaal
im Hörsaal

Zwischen 1936 und 1944 arbeitet sie als Leiterin der Kardiologie am Krankenhaus der CFR (der rumänischen Eisenbahn) und war gleichzeitig Chefärztin der klinischen Sektion der Universität am Philanthropischen Krankenhaus in Bukarest. Im CFR Krankenhaus befanden sich vorwiegend Betriebsangehörige im Ruhestand. Ana hatte einen intensiven Kontakt zu diesen älteren Menschen. Neben der üblichen Behandlung mit Medikamenten sorgte sie dafür, dass sie Bewegung und eine gesunde Ernährung erhielten sowie für die Verbesserung der äußeren Bedingungen im Haus. Sie kümmerte sich ausgesprochen liebevoll um ihre Patienten und war gleichzeitig fachlich hoch interessiert an ihren Krankengeschichten. Sie war der Meinung, dass sie viel von ihnen lernen konnte. Medizin ohne Bücher zu studieren, ist wie ohne Karte auf dem Ozean zu segeln. Aber Medizin ohne Patienten zu studieren ist, wie überhaupt nicht zu segeln. Das war ihre Philosophie. Sie freundete sich mit den ihr Anvertrauten an und betrachtete sie als „ihre Eltern“. Zu Neujahr 1938, an ihrem 51. Geburtstag, erhielt sie eine Glückwunschkarte, auf der zu lesen stand: „Mit tiefen Gefühlen der Dankbarkeit an Dr. Aslan, die mit Leidenschaft und Hingabe diese Spielzeuge behandelt, die das Leben mit seinen Anforderungen kaputt gemacht hat.“ Die Karte war von etlichen älteren Patienten unterzeichnet. Oft erinnerte sie sich an diese traurigen, poetischen Worte „kaputte Spielzeuge“. In ihnen lag eine Aufforderung, etwas zu tun für diese Menschen, eine Aufforderung, ihnen mehr Zeit zu widmen und oft fragte sie sich, ob man die „kaputten Spielzeuge“ nicht reparieren könne.

 

1940 begann sie damit, Vorlesungen über Herzkrankheiten an der Universität von Bukarest zu halten und entwickelte sich zu einer anerkannten Spezialistin für kardiovaskuläre Krankheiten (Krankheiten der Herzgefäße).

 

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