Politische Ansichten

Ana Aslan

Die Lebensgeschichte
Teil 10

 

 

Portraitfoto Titulescu
Titulescu
Ana Aslan mit Mikroskop
Ana mit Mikroskop
Ana Aslan im weißen Kittel im Coleta Krankenhaus
Ana im weißen Kittel im Coleta Krankenhaus
Die Praxis im Elternhaus
Die Praxis im Elternhaus

Die zwei Jahrzehnte zwischen den beiden Weltkriegen waren mit die wichtigsten der modernen rumänischen Geschichte. In dieser Zeit galt Rumänien als Kalifornien Europas. Die „Insel der Latinität“, die 2.000 Jahre überlebt hatte, strotzte nur so vor geistiger Kraft und Freiheit. 1921 wurde die erste demokratische Verfassung eingeführt. Nicolae Titulescu, der Außenminister, war designierter Präsident des Bunds der Vereinten Nationen. Er initiierte den „kleinen atlantischen Pakt“ von 1920-1921. Teile Moldaviens gingen an Rumänien zurück, nachdem die Türken sie zugunsten Russlands vor Zeiten aufgegeben hatten. Bukarest wurde „Klein Paris“ genannt, Sinfonieorchester und Theaterproduktionen hatte permanent Saison und die rumänischen medizinischen Zentren erlangten Berühmtheit. Kein Wunder, dass man Besuch von Kollegen aus ganz Europa bekam. Für einige Jahrhunderte war Rumänien der Schutzwall Westeuropas gegen das Ottomanische Reich gewesen. In Yalta gelangte es unter sowjetischen Einfluss; unter den Konsequenzen daraus hatte es mehr als 40 Jahre zu leben.

Ana Aslan kommentierte die Geschehnisse aus ihrer Sicht: „Die Russen haben uns natürlich den Kommunismus hinterlassen..... Nach 1945 haben die Kommunisten aber das nördliche Moldavien und die nördliche Bukovina offen betrogen. Sie haben das Land schlicht aufgegeben, ohne jedoch den zuvor entwendeten Reichtum und die entwendeten Schätze zurückzugeben. Ich verstehe diese Politik nicht!“

 

Während ihrer Zeit bei Prof. Danielopolu erforschte sie das vegetative Nervensystem von Menschen und Tieren. Sie war eine der ersten Wissenschaftler, die die plethysmographische Methode zur Erforschung des Blutkreislaufs anwandte. Zwei Jahre arbeitete sie an ihrer Doktorarbeit mit dem Titel: "Cercertari privind inervatia vazomatoare la om", übersetzt: „Zur Erforschung der Gefäßnerven.“ Danielopolu, zu dem sich inzwischen ein kollegiales und überaus fruchtbares Arbeitsverhältnis entwickelt hatte, versicherte ihr, die Arbeit sei hochinteressant und wies sie auf zahlreiche weiterführende theoretische und praktische Fragen hin, die mit dem Thema in Zusammenhang standen. 1924 verteidigte sie ihre Dissertation und erhielt den Titel "Doktor der Medizin“ mit magma cum laude. Trotz des Erfolges war sie unsicher, ob die medizinischen Fachjournale die wissenschaftlichen Artikel einer Frau ernst nehmen würden und bat Danielopolu, als ihr Ko-Autor aufzutreten. Wenige Monate später erschienen ihre Ausführungen gleich in mehreren Journalen. Ihren Namen zum ersten Mal auf Papier gedruckt zu sehen unter Worten, mit denen sie so sehr gekämpft hatte, machte sie überglücklich.

 

1923 war Ana Aslan Gründungsmitglied der „Krankenhausgesellschaft Bukarest“, 1928 der „Gesellschaft für Neurovegetative Physiologie“. Auf Grund ihres Engagement in der medizinischen Gemeinschaft sowie ihrer wissenschaftlichen Arbeiten der 30er Jahre wurde ihr 1936 schließlich der Titel des Mitglieds der „Rumänischen Akademie der Medizin“ verliehen.

 

Während des Zweiten Weltkriegs kümmerte sich Ana erneut um Verwundete und setzte gleichzeitig ihre Untersuchungen fort. Als praktizierende Ärztin in der eigenen Praxis, die sie im Elternhaus zu führen begann, war sie zwar geschätzt, hatte aber nicht viele Patienten. Prof. Danielopolu erklärte ihr, dass Frauen lieber von einem Mann untersucht und behandelt werden wollten, da sie Männern naturgemäß mehr Vertrauen entgegenbrächten. Eine Tatsache, die aus heutiger Sicht nur noch schwer einleuchtet. Den Männern, so Danielopolu weiter, werde es dagegen von ihren Ehefrauen aus moralischen Gründen verboten, mit intimen körperlichen Anliegen zu einer Frau zu gehen. Die anfängliche Enttäuschung über die ausbleibenden Patienten in der eigenen Praxis verflog mit dem stetigen Anwachsen ihrer Aufgaben.

 

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