Rückschläge

Ana Aslan

Die Lebensgeschichte
Teil 17

 

 

Ana Aslan in London
in London
Ana Aslan diskutiert offensiv
Ana diskutiert offensiv

Während der 50er Jahre war Rumänien auf Grund des Kalten Krieges relativ abgeschottet von der westlichen Welt. Nur wenige Informationen über die Arbeit des Instituts gelangten an die Weltöffentlichkeit. Vor allem kranken Menschen, die von ihren Ärzten als unheilbar eingestuft wurden, lag es am Herzen, Ana Aslans Methode kennenzulernen. Eine Behandlung mit Procain erschien ihnen als letzte Hoffnung auf Linderung oder gar Heilung ihrer Altersbeschwerden. In England beispielsweise wurde der Druck der öffentlichen Meinung mit einem Male so groß, dass sich die britische „Medical Society for the Care of the Elderly“ (Gesellschaft für medizinische Altersfürsorge) gezwungen sah, Prof. Ana Aslan einzuladen.

 

Am 18. November traf sie 62jährig und jugendlich strahlend wie je zuvor in London ein. Ihre Energie und ihre Vitalität nahmen selbst die aus Neugier angereisten Gerontologen mit Erstaunen wahr. Tag und Nacht währte der Ansturm der hilfesuchenden Patienten in ihrem Hotelzimmer. Bei offiziellen Anlässen behandelte man sie jedoch auf typisch britische Art: höflich aber distanziert. Unter der Oberfläche blieb in all dem spürbar, dass ihr aus bestimmten Journalisten- und Medizinerkreisen Zweifel und Feindseligkeiten entgegenschlugen.

 

Bereits zwei Jahre zuvor, bei ihrem allerersten Auftritt in einem westlichen Land, anlässlich des Therapie-Kongresses in Karlsruhe am 3. September 1956, hatte sie bittere Erfahrungen machen müssen. Ihre Überlegungen, das Alter oder gar den Tod durch die von ihr entwickelten Behandlungsmethoden mit Procain hinauszögern zu können, wurden auf dem angesehenen Kongress als zweifelhaft abgetan. Man bezeichnete sie spöttisch als Wunderheilerin oder nannte ihre Behauptungen gar blasphemisch. Vehement verlangte man als Beweis für den Erfolg der Anwendung umfangreichere Studien, als sie zu diesem Zeitpunkt vorweisen konnte. Insbesondere beharrte man mit wissenschaftlichem Dogmatismus auf sogenannten Doppelblindstudien und anderen abstrakt wissenschaftlichen Instrumentarien und missachtete vollkommen Ana Aslans langjährige Erfahrung im direkten Umgang mit ihren Patienten. War es wiederum die alte Ablehnung, die der Erfolg von Frauen in einer Männerdomäne hervorrief? Waren es Dünkel gegen ihr Herkunftsland? Oder war es banaler Neid? In Karlsruhe nicht anerkannt zu werden, verletzte sie sehr. In London jedoch hatte sie bereits gelernt, mit den Widerständen umzugehen. Trotz der eisigen Resonanz aus Fachkreisen und der überaus hohen Belastung durch Gesprächsmarathons mit hunderten von Patienten, die bei ihr Hilfe suchten, hielt sich Ana Aslan tapfer und blieb dabei ruhig und einfühlsam bis zur letzten Begegnung.

 

Sie war von ihren Therapien überzeugt und durchdrungen: „Ich weiß, dass ich recht habe! Die Procaintherapie ist der Schlüssel zur Bekämpfung der Alterskrankheiten. Irgendwann einmal werden das alle Mediziner erkennen. Es wird immer Menschen geben, die Entdeckungen machen und diese neuen Entdeckungen beweisen und verteidigen, und andere, die diese neuen Verfahren, die ja auch Veränderungen des Altgewohnten mit sich bringen, ablehnen und angreifen. Nur leider sind die Ärzte, die heute noch meine Behandlungsmethoden ablehnen und angreifen, ausgerechnet diejenigen, die die Therapie gar nicht kennen und überhaupt nicht die Kompetenz besitzen, sie anzuwenden, geschweige denn zu beurteilen.“

 

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