Die Vorbilder. 1) Prof. Toma Ionescu

Ana Aslan

Die Lebensgeschichte
Teil 7

 

 

Eines Tages, als sie die schwer zugängliche innere Maxilla Arterie mitsamt ihren feinen Verbindungen freizulegen versuchte, hatte Ana Aslan ihre erste bahnbrechende medizinische Idee. Sie injizierte ein Kontrastmittel, so dass die filigranen Verbindungen besser sichtbar wurden und erzielte mit diesem einfachen Mittel eine überzeugende Wirkung. Professor Toma Ionescu war beeindruckt, als er die Genauigkeit der Sezierung zu Gesicht bekam und bestand darauf, den Studenten kennenzulernen, der dafür verantwortlich war. Wie erstaunt war er, als man ihm Ana Aslan vorstellte, die einzige weibliche Studentin der gesamten Fakultät! Für den Fall, dass sie diesen Weg weiterverfolgen sollte, prophezeite er ihr eine große Karriere auf dem Gebiet der Chirurgie und lud sie ein, zu ihm in seine Klinik zu kommen, wann immer sie dazu bereit wäre.

 

1916 trat Rumänien als Teil der Entente an der Seite Frankreichs, Großbritanniens und Russlands in den Ersten Weltkrieg ein. Ana wurde als „Freiwillige“ an die Front bei Lasi berufen. Dort arbeitete sie zunächst in der Abteilung für Infektionskrankheiten des Militärkrankenhauses. Später wurde sie in die Chirurgie versetzt, wo sie Prof. Toma Ionescu wiedertreffen sollte, der sie fortan seine „kleine Chirurgin“ nannte, und der wohl als Anas erster in einer Reihe von „Ersatzvätern“ gelten darf. So wie als Kind die Liebe zum Vater ihren Wissensdrang anfeuerte, so sollten in ihrem weiteren Leben Begegnungen mit großen Männern, die sie – nun allerdings ihrer medizinischen Leistungen wegen – bewunderte, stets beflügelnd auf sie wirken. Toma Ionescu war ein großes Vorbild für Ana Aslan, die gerade erst begonnen hatte, die ersten beruflichen Karriereschritte in der Medizin zu machen, und er blieb es für immer. Die Zeit im Militärkrankenhaus war für ihre Entwicklung in vielerlei Hinsicht wichtig. Wie viele Verwundete hatte sie hinter der Front verbunden und behandelt! Die Medizin hatte für sie niemals nur wissenschaftlichen Wert, sondern vor allem menschlichen: ethischen, moralischen und gestaltenden Wert. In ihrer Tätigkeit als Ärztin setzte sie sich ein für ein besseres Leben der Menschen. Die Zeit des Krieges mit seinem sinnlosen Grauen würde sie nicht mehr aus ihrer Erinnerung verlieren.

 

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