Bis heute sind es Theorien geblieben, die den Prozess der Alterung zu erklären versuchen. Im Mittelpunkt aller Vermutungen stehen unsere Körperzellen und ihr Stoffwechsel, der sich mit zunehmendem Alter erwiesenermaßen verlangsamt. Daraus resultieren Schäden in der Zelle und bei der Zellteilung.
In jeder Zelle wird ständig Nahrung mit Sauerstoff zu Energie verbrannt. Dabei werden aggressive Substanzen frei, so genannte freie Radikale, die die Zelle genau da schädigen, wo sie am empfindlichsten ist: im Erbgut (der DNA). Obwohl unser Körper eigene Schutzsysteme gegen freie Radikale besitzt, können diese nicht überall und zuverlässig arbeiten. Genau dort, wo die Energieverbrennung in der Zelle stattfindet, nämlich in den Mitochondrien, unseren Kraftwerken, ist kein ausreichender Schutz vorhanden.
Damit ist das Erbgut der Mitochondrien den freien Radikalen ausgesetzt, die mit zunehmendem Alter immer größeren Schaden anrichten. Die Folge: die Energieverbrennung in den Kraftwerken läuft nicht mehr rund und die Zellen sterben langsam ab.
Jede Zelle hat eine eigene „biologische“ Uhr, deren Lebenszeit den Takt der Teilung angibt. Nur so ist zu erklären, warum die Geschwindigkeit der Zellteilungen, mit der Zeugung beginnend, über das Wachstum bis ins Alter wechselt. Bereits im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren hat der Mensch den absoluten Höhepunkt erreicht. Das Verhältnis von neu entstehenden und absterbenden Zellen ist ausgeglichen.
Danach nimmt die Zahl der Zellteilungen ab, der Zellverschleiß steigt. Der Taktgeber dieser inneren Uhr wurde in den sogenannten Telomeren lokalisiert. Telomere schützen die Erbinformationsstränge – als Chromosomen bezeichnet – an deren Anfang und am Ende. Jede einzelne Zellteilung verkürzt die Telomere, bis nichts mehr da ist und die Zelle langsam abstirbt.
Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen chemischem Verschleiß und der Telomertheorie. Versuche zeigten, dass Telomere um so schneller schrumpfen, je stärker sie von freien Radikalen angegriffen werden.
Die erbliche Veranlagung bzw. die Qualität unserer Gene entscheiden mit, wie schnell wir altern.
Hatten die Eltern und Großeltern bereits ein langes Leben, dann ist die Chance, selbst auch alt zu werden, groß.
Auch äußere Einflüsse wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Stress oder Schadstoffe wie Nikotin und Alkohol etc. wirken auf die Leistungskraft der Zellen und somit auf den Alterungsprozess ein.
Zeit ihres Lebens erforschte die berühmte Ärztin, Prof. Dr. Dr. Ana Aslan, die Ursachen des schleichenden Zellverfalls, den sie als „Altern“ definierte. Sie wusste schon damals sehr viel. Ihre Aussage, dass ein vorzeitiger Alterungsprozess auf gestörte Stoffwechselleistungen in der Zelle zurückgeführt werden muss, findet heute in allen beschriebenen Theorien Bestätigung.
Älterwerden ist ein langsamer Prozess. Obwohl die Veränderungen bereits ab einem Alter von 20 bis 25 Jahren beginnen, werden sie nicht sofort sichtbar. Zwischen dem 30sten und 40sten Lebensjahr nehmen die Stoffwechselvorgänge und die Regenerationsfähigkeit der Zellen deutlich ab.
Mit zunehmendem Alter treten erkennbare Alterserscheinungen auf, die sich zu chronischen Krankheiten entwickeln können. Unsere Haut wird faltig, das heißt, unsere Bindegewebs- und Hautzellen sind nicht mehr so funktionsfähig.
Unser Haar ergraut. Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit lassen nach. Die Gehirnzellen sind nicht mehr so aktiv. Das Körpergewicht verändert sich. Unsere körperliche Leistungsfähigkeit sinkt. Auch unser Immunsystem leidet: Infektionskrankheiten treten häufiger auf, und wir benötigen mehr Zeit, um uns von Anstrengungen und Krankheiten wieder zu erholen.
Gelingt es, die vermuteten Ursachen der Alterung günstig zu beeinflussen, kann den damit verbundenen Alterserscheinungen – die irgendwann jeden treffen – gezielt entgegengewirkt werden.
Diese Lebensaufgabe hatte sich Prof. Dr. Dr. Ana Aslan gestellt.